Heute möchte ich mal etwas genauer darauf eingehen, wie ein gewöhnlicher Arbeitstag bei mir aussieht. Nachdem ich bereits in einem früheren Blogeintrag darauf eingegangen bin, was die NGO Maher ist und leistet, möchte ich nun darauf eingehen, welchen Teil ich in Maher übernehme.
Ich arbeite immer von montags bis freitags von 13 bis 19 Uhr. Meine Hauptaufgaben ist es, Kindern im Alter von 3 – 7 Englisch und etwas Mathe beizubringen und Hausaufgabenbetreuung zu machen. Zudem werden Josi und ich manchmal damit beauftragt, Texte wie zum Beispiel Flyer und Zeitungen von Maher entweder vom Deutschen ins Englische oder vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen. Ab und zu müssen wir auch zur Indus International School mitkommen, wenn zum Beispiel Eltern-Lehrer Sprechtage sind, da zwei Maher-Kinder, die wir unterrichten, zu dieser Schule gehen.
Aber jetzt erstmal zu meinem gewöhnlichen Arbeitsalltag. Ich stehe meistens um 9 Uhr auf. Ich bin wirklich sehr glücklich, dass meine Arbeit erst so spät anfängt, da ich dann morgens immer Zeit habe um produktiv zu sein. Nachdem ich aufgestanden bin, habe ich mir angewöhnt, jeden Morgen ein kleines Workout zu machen, da ich im ersten Monat hier in Indien garkeinen Sport gemacht und gemerkt habe, dass ich immer ziemlich schnell erschöpft war. Daher gehört ein kleines Workout mittlerweile zu meiner morgentlichen Routine dazu. Nachdem ich damit fertig bin, dusche ich und frühstücke und anschließend habe ich meist so zwei Stunden Zeit, um zum Beispiel Blogeinträge zu verfassen, Wäsche zu waschen, mein Zimmer aufzuräumen, zu malen, zu lesen oder anderes. Um 12:30 Uhr gehen wir dann aus dem Haus und buchen uns eine Rikscha, um zur Arbeit zu fahren. Dies ist manchmal eine große Herausforderung, da die Rikscha-Fahrer manchmal zwei Straßen weiter warten, weil sie aus irgendeinem Grund nicht unsere Straße finden, dann rufen die meistens an und reden irgendwas auf Marathi, was wir natürlich nicht verstehen und wir versuchen dann ihnen auf englisch irgendwie zu erklären, wo die hinkommen sollen. Manchmal wird ein Uber dann auch schonmal gecancelled von Seiten der Fahrer und man muss erneut eine Rikscha buchen in der Hoffnung, dass diesmal der Fahrer etwas mehr Ahnung von den Straßen in Koregaon Park (KP) hat. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt, auf Rikschas zu warten, manchmal auch schonmal für 20 Minuten. Zurück in Deutschland werde ich wahrscheinlich so tiefenentspannt sein, wenn ich mal kurz irgendwo warten muss. Nachdem wir dann endlich in einer Rikscha sitzen, ist meist auf der North Main Road, eine der Hauptstraßen in KP Stau. Nach ca. 15 minütiger Fahrt kommen wir gegen 13 Uhr im Office von Maher an. Dann reden wir immer mit Amol, einem Mittarbeiter von Maher und mit Mangesh, der von seiner einmonatigen Europareise wieder zurück ist, bis es dann gegen 13:20 Mittagessen gibt. Dieses besteht meist aus Reis, Chapati, Gemüse und Soßen und manchmal gibt es dann noch sehr süßen, zuckrigen aber sehr leckeren Nachtisch. Gegen 13:45 verlassen wir das Office um zu einem anderen Maher-Haus in der Nähe zu laufen, Premsagar. Dort fängt um 14 Uhr unsere erste Class an, in welcher wir mit fünf kleinen Kindern Hausaufgaben machen und das Alphabet und Zahlen von 1 – 100 beibringen sowie Spelling von Farben, Zahlen und anderen Wörtern machen. Wir sitzen immer im Schlafraum des Hauses auf dem Boden auf einer Matte. Diese Class dauert bis 15:30 Uhr, danach laufen wir zurück zum Office wo um 16 Uhr die nächste Class beginnt. Dort haben wir wieder fünf kleine Kinder, welche aber besser Englisch sprechen als die in Premsagar, da sie auf eine Englisch-Schule gehen. Wenn man denen versucht, etwas zu erklären, verstehen sie es besser als die anderen, daher ist diese Class auch einfacher und macht mir persönlich mehr Spaß. Während dieser Class bekommen wir auch immer Chai von der Hausmutter serviert, worauf ich mich schon immer vom Rückweg von anderen Haus freue. Bis 17 Uhr dauert der Unterricht, danach gibt Josi Collegestudenten Französischunterricht und ich erledige in der Zeit meist Übersetzungsarbeiten oder gebe einem15 jährigen Deutschunterricht, der gerne Deutsch lernen möchte. Man merkt, dass er wirklich intelligent ist, da er Deutsch richtig schnell gelernt hat. Irgendwann kommen dann die beiden Kinder aus der internationalen Schule und manchmal wollen sie dann direkt mit ihren Hausaufgaben beginnen, sodass ich frühzeitig mit der letzten Class beginne, welche eigentlich erst um 18 Uhr anfängt. Diese Class dauert auch eine Stunde, das heißt, wenn wir frühzeitig anfangen, können wir auch vor 19 Uhr aufhören. Nachdem die letzte Class vorbei ist, gibt ein 19 jähriger von Maher Taekwondo-Training für die anderen Maher-Leute, die das lernen wollen. Wir können da auch dran teilnehmen und Josi macht dann auch immer mit, da sie in Frankreich auch immer geboxt hatte. Ein paar andere Jungs spielen aber manchmal auch Badminton, wo ich dann lieber da mitmache. Irgendwann fängt im Maher Office Prayer an oder es gibt Abendessen, dann bestellen Josi und ich uns ein Uber, um nach Hause zu fahren. Manchmal hat es auch geregnet über den Tag, sodass Taekwondo ausgefallen ist, da zu viel Schlamm im Garten war um zu trainieren. Dann bestellen wir uns immer direkt nach der letzten Class eine Rikscha. Zuhause angekommen esse ich immer direkt zu Abend. Meist schaue ich Abends dann etwas Netflix, male, schreibe Blog und manchmal gehen wir noch aus, dann aber nicht so lange, da man ja am nächsten Tag wieder für die Arbeit fit sein muss. Außer es ist Freitag, dann gehen wir immer richtig aus.
Über meine Freizeitgestaltung und was ich an Wochenenden so mache, wird es aber nochmal einen anderen Blogeintrag geben. Das wars jetzt soweit erstmal wieder von mir.
