Sports Camp mit Maher

Vor etwa einer Woche vom 9. November bis zum 12. November fand in Maher das ein mal im Jahr stattfindende Sports Camp statt. Dafür kamen mehr als 900 Leute in dem Maher Center in Vadhu, in welchem ich auch die ersten vier Tage meiner Zeit bei Maher verbrachte, zusammen, um zusammen Sport und andere Aktivitäten zu machen. Unter den 900 Menschen waren mehr als 650 Kinder, Staff wie zum Beispiel die Hausmütter und Hausväter, Freiwillige und Gäste von überall her. Die Freiwilligen und die Gäste kamen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, aus Großbritannien, Italien, Argentinien, den USA, Frankreich und natürlich auch aus Indien. Es war also eine sehr internationale Runde.

Josi und ich kamen am Freitag gegen Nachmittag in Vadhu an und hatten dann erstmal kurz Zeit, uns etwas im Zimmer einzurichten, in welchem wir für eine Woche wohnen würden. Wir würden nämlich nicht nur für das Sports Camp bleiben, sondern auch noch für den Orphan‘s Day, eine Hochzeit und den Children‘s Day, welche sich an das Sports Camp anschlossen. Am Abend erfuhren wir schließlich, in welchem Team wir sein würden, denn es gab das gelbe, das rote, das blaue und das grüne Team. Ich kam ins grüne Team, Josi ins Rote, Armin, ein zwanzigjähriger Östereicher, dessen Vater für das Sports Camp fotografierte, kam ins blaue Team und Ishan, ein anderer Freiwilliger, der zwar aus Indien kommt aber in den USA studiert und für 10 Tage bei Maher sein würde, kam ins gelbe Team. Die restlichen Freiwilligen und Gäste kamen in kein Team, da sie die Altersgrenze der Teilnehmer überschritten. Nachdem wir zu Abend gegessen hatten, erfuhren wir also, in welchem Team wir sein würden und machten uns anschließend auf die Suche, wer noch in seinem eigenen Team war von denen, die wir kannten.

Am nächsten Tag ging es dann mit dem viertägigen Sportcamp los. Dazu standen wir um 7:30 Uhr auf, da es nun jeden Morgen um 8 Uhr Frühstück geben würde. Nach dem Frühstück hatten wir nochmal kurz etwas Freizeit bis es dann gegen 10 Uhr mit der Eröffnung losging. Sister Lucy hielt dafür eine Rede und schließlich begann der erste Wettbewerb. Es war Badminton im Doppel, also fragte ich, ob ich für mein Team spielen dürfte, da ich ja einige Zeit Badminton gespielt hatte. Mein Team wurde am Ende zweiter Platz im Badminton hinter dem Roten Team, welches gewann. Das war eigentlich auch die einzige Sportart, bei der ich aktiv mitspielte während des Sportscamps, da ich in jeder anderen Sportart schlecht gewesen wäre. Die Wettbewerbe in den Hauptsportarten, fanden immer von 10 bis etwa 14 Uhr statt. Das war am ersten Tag wie gesagt Badminton, am Nachmittag fand Cricket statt, am zweiten war es Kabadi, welches eine traditioneller indischer Sport ist, bei dem zwei Teams gegeneinander antreten und dann muss einer aus dem einen Team auf die andere Seite, so viele Gegenspieler wie möglich berühren, und anschließend die Mittellinie berühren. Wenn er es schafft, dann bekommt sein Team so viele Punkte, wie er Gegenspieler berührt hat. Allerdings kann das Gegnerteam, nachdem einer berührt wurde, denjenigen aus dem anderen Team auf den Boden werfen oder festhalten, damit dieser es nicht zurück zur Mittellinie schafft. Dann muss der Gefangene aus dem Spiel rausgehen. Ich hoffe, ich habe es jetzt ungefähr richtig erklärt, denn so komplett habe ich die Spielregeln immer noch nicht durchschaut. Am dritten Tag fing um 10 Uhr Fußball an und am Nachmittag fand Rennen und Weitsprung statt. Am letzten Tag fanden noch die kleineren Wettbewerbe, welche eher Spiele als Sport waren, für die Kleinen statt worunter auch meine SchülerInnen waren. Auch in den Vortagen gab es meistens einen Wettbewerb für die Kleinen, bevor es um 10 Uhr mit dem Sport losging. Um 16 Uhr fand dann am Dienstag die Closing Ceremony statt, welche bis zum Abend dauern würde. Dabei wurden die Preise vergeben und auch ich bekam einen Preis. Es gab nämlich jeden Abend vor dem Abendessen ein Abendprogramm. Am ersten Abend war es Gesang, wo aus den drei verschiedenen Altersgruppen aus jedem Team jeweils einer etwas vorsang, was jedes Mal entweder in Marathi oder Hindi war, wodurch ich leider nichts von dem Text verstand. Am zweiten und auch am dritten Abend gab es eine Fancy Dress Competition, wo es darum ging, ein bestimmtes Thema darzustellen, sich passend dazu anzuziehen und dann eine 30-sekündige Performance für die Bühne einzustudieren. Am zweiten Abend kam irgendwann am Nachmittag jemand aus meinem Team zu mir und meinte, ich soll mitkommen. Ich wurde in den Probenraum meines Teams geführt und da wurde mir mitgeteilt, dass ich am Abend für das Grüne Team bei Fancy Dress mitmachen soll. Ich war im ersten Moment total geschockt, weil ich damit nicht gerechnet hatte und eigentlich stehe ich echt nicht gerne auf Bühnen, aber dann konnte ich mich doch noch mit der Idee anfreunden, da mitzumachen, schließlich war es ja für mein Team und die hatten sich auch schon etwas für mich ausgedacht. Ich würde ein Sari anziehen und dann mit einer Schale rumschwenken und Pulver auf eine Pflanze streuen und dann noch das Publikum mit dieser Schale segnen, etwas sehr Typisches, was ich auch schon ein paar Mal gesehen habe, seit ich in Indien bin. Danach sollte ich noch ein Schild mit einer Botschaft drauf hochhalten, sodass das Publikum sehen konnte, was ich dargestellt hatte. Da ich also genau wusste, was ich auf der Bühne machen müsste und es ja auch nur 30 Sekunden waren, legte sich so langsam die Nervosität. Nun wurde ich in einen weiteren Raum geführt, wo mir ein Sari angezogen wurde und als ich dann nach einer gefühlten Stunde soweit fertig war und bereit, zu performen, ging ich runter und sah Josi. Ihr Team hatte offenbar die gleiche Idee gehabt, sie bei Fancy Dress mitmachen zu lassen und ihr Gesicht sah aus wie der Joker. Da zu dem Zeitpunkt, als wir bereit waren, noch Tänze aufgeführt wurden, stellten wir uns hinter die Menschenmasse und warteten darauf, endlich auf die Bühne gehen zu können, um es hinter uns zu bringen. Nach dem Programm wurden die Gewinner des Abends mitgeteilt und ich weiß bis heute nicht warum, weil mein Auftritt nun wirklich nicht berauschend war, aber aus irgendeinem Grund wurde ich zum ersten Platz gewählt. Und das ist der Grund, weshalb ich bei der Siegerehrung am Dienstagabend auch einen Preis gewann.

Nach der Siegerehrung wurde noch ganz viel zu Bollywood-Musik getanzt bis es dann schließlich Abendessen gab. Und so endete das Sports Camp. Es war wirklich eine einzigartige Erfahrung und ich bin wirklich dankbar, dass ich das miterleben durfte.

Am Mittwoch begann der Tag wieder um 8 Uhr mit Frühstück. Es war seltsam, weil die meisten noch am Abend abgereist waren und wo man sonst in den letzten Tagen aufpassen musste, wo man hintritt, da überall Leute auf dem Boden saßen und Frühstückten, war nun ein riesiger leerer Raum. Nach dem Frühstück begann dann irgendwann die Hochzeit, welche nicht ganz so spektakulär war wie die erste, auf der ich war. Auf einmal wurde angefangen, dem Brautpaar Curry-Paste ins Gesicht zu schmieren und schließlich hatte jeder etwas davon in seinem Gesicht, auch ich. Wahrscheinlich ist das eine Tradition. Nach der Hochzeit begann irgendwann das Programm des Orphan‘s Days, welches zum Beispiel Tanz-Performances enthielt. Außerdem sprachen ein paar Kinder ihren Dank an Sister Lucy aus oder einer trug auch ein Gedicht vor.

Am letzten Tag in Vadhu, Donnerstag den 14. November, wurde der Children’s Day gefeiert. Dazu kamen ganz viele Kinder zusammen, und diesmal nicht nur Kinder aus Maher sondern auch aus den ganzen umliegenden Dörfern, um gemeinsam den Children’s Day zu zelebrieren. Auch hierfür gab es wieder ein Programm welches Tanzperformances sowie einen Zauberer beinhaltete. Irgendwann gab es dann Mittagessen und noch während des Essens wurde Josi und mir mitgeteilt, dass wir entweder sofort oder am nächsten Morgen zurück nach Pune fahren könnten. Wir entschieden uns dafür, schnell aufzuessen und unser bereits gepacktes Gepäck aus unserem Zimmer zu holen, damit wir sofort zurückkönnten, da Josi und ich beide keinen Schlüssel für zu Hause mitgenommen hatten und wir sonst am nächsten Morgen nicht in unsere Wohnung reingekommen wären, weil um die Uhrzeit niemand zu Hause gewesen wäre. Wir fuhren also zum Pune Office, unserm üblichen Arbeitsplatz, und verbrachten da noch zwei Stunden und machten eine Class, bis wir uns schließlich eine Rikscha zurück nach Hause bestellten, da von da an auch jemand zu Hause sein würde.

Am nächsten Tag arbeiteten wir wieder ganz normal im Office und fingen an, Weihnachtskarten für die Sponsoren von Maher zu beschriften, was wirklich nicht wenige sind , und wir hörten dabei Weihnachtsmusik. Wir hatten vor etwa einem Monat bereits das gleiche für Diwali gemacht, also ganz ganz viele Karten beschriftet und abschickbereit gemacht. Über Diwali, welches eines der wichtigsten Festivals ist, möchte ich aber nochmal einen extra Blogeintrag schreiben, welcher hoffentlich bald kommt. Ich versuche jetzt, mal wieder regelmäßiger zu schreiben, da ich merke, dass ich sonst nicht mehr mit den Blogs hinterherkomme, so viel, wie ich hier erlebe.

Ich wünsche euch noch einen ganz schönen Tag oder Abend (wann immer ihr es lest)!

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